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Für Kinder und Jugendliche

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Was ist Lernen?
Optimales Lernen wird oft verwechselt mit dem Nürnberger Trichter - alle wichtigen Informationen und Lerninhalte sollen unmittelbar dort landen, wo sie hingehören. Immer wieder werden Möglichkeiten auf den Markt gebracht, wie Lernen angeblich schnell, einfach, bequem und vor allem völlig ohne Anstrengung vor sich gehen kann: Lernen im Schlaf, Blitzlesen, Zauber-Musik, Lernsoftware, Lerngymnastik – all diesen Angeboten ist eines gemeinsam: Lernen wird als ein passiver Vorgang verstanden, der nur daraus besteht, wie Inhalte am besten in den Kopf „gestopft“ werden. Aber alles will geübt sein. Lernen als aktiven Prozess zu verstehen lässt uns nicht mehr nach dem Nürnberger Trichter suchen, sondern regt dazu an, jene Rahmenbedingungen zu erforschen, die uns optimales Lernen mit der gebührenden Anstrengung ermöglichen.

Wenn wir Lernen also als diesen aktiven, bewusst gesteuerten Prozess begreifen, ermöglicht uns das bereits eine erste wichtige Erkenntnis: nicht das passive Schlucken (und zeitgerechte Wiederausspucken) von Lerninhalten, sondern das aktive Damit-Umgehen, die Verknüpfung mit vorhandenem Wissen und die dadurch entstehende Integration des neuen Wissens in bisher Erlerntes fördert diesen Lernprozess und treibt ihn voran.

Was geschieht nun, wenn wir uns mit neuen Inhalten beschäftigen?
Das Gehirn entscheidet blitzschnell in jedem Moment, inwieweit eine neue Information für uns relevant ist oder nicht. Diese Entscheidung ist auch kontextabhängig. Ein einfaches Beispiel: Wenn ich mit meinem Auto auf der Straße fahre und ich sehe in weiter Entfernung einen jungen Mann mit seinem Hund spazieren gehen, entscheidet mein Gehirn, dass diese Wahrnehmung für die aktuelle Situation (in der ich mich auf den Straßenverkehr und andere direkt beteiligte VerkehrsteilnehmerInnen konzentrieren muss) nicht relevant ist. Ich richte also meine Aufmerksamkeit auf andere Aspekte meines momentanen Wahrnehmungsspektrums. Bereits im nächsten Moment habe ich den jungen Mann mit seinem Hund bereits vergessen und kann weder die Hunderasse, noch das Aussehen dieses Mannes, ja sogar vielleicht nicht einmal deren beider Existenz erinnern. Befinde ich mich aber in derselben Situation gemeinsam mit einem kleinen Kind auf eben jener Straßenseite, auf der dieser junge Mann mit seinem Hund dem Kind und mir entgegenkommt, werde ich in relativ kurzer Zeit einige Details wahrnehmen und mich auf diese konzentrieren. So zum Beispiel wie groß dieser Hund ist, ob er einen Beißkorb trägt, ob er gefährlich aussieht, ob der junge Mann ihn unter Kontrolle hat – kurz, ich werde meine Aufmerksamkeit auf diesen jungen Mann und den Hund richten, um festzustellen, ob hier eine mögliche Gefahrenquelle für das Kind und, wenn ich selbst grundlegend Angst vor Hunden habe, für mich besteht. Dementsprechend werde ich reagieren. Ich richte also meine gesamte Aufmerksamkeit auf diese Situation und werde im Nachhinein wahrscheinlich sehr genau bestimmen können, wie die beiden ausgesehen und sich verhalten haben. Dazu bemühe ich auch mein bereits vorhandenes Wissen über Hunde und über das Verhalten von HundebesitzerInnen, frage dieses ab, vergleiche es mit der aktuellen Situation und ziehe daraus meine Schlüsse für mein eigenes Verhalten (gehe ich einfach vorbei? Streichle ich den Hund vielleicht sogar, wenn er sich mir nähert? Wechsle ich sicherheitshalber die Straßenseite? Nehme ich das Kind bei der Hand?). Was hat das nun alles mit „Lernen“ zu tun? Zumindest zweierlei:

Zum einen zeigt die Frage „Was hat das alles mit Lernen zu tun?“ eine weithin verbreitete Beschränkung unseres Verständnisses davon, was Lernen eigentlich ist: Lernen spielt sich in unseren Köpfen nur im Bereich schulischer Bildung ab. Dabei vergessen wir, dass wir alles, was wir können, einmal gelernt haben und zwar auf ganz unterschiedliche Weisen: Wir lernen, indem wir Dinge immer wieder ausprobieren, bis sie uns endlich gelingen; Wir lernen, indem wir anderen zusehen oder zuhören und das Gesehene oder Gehörte imitieren; Wir lernen, indem wir neugierig die Welt beobachten; Wir lernen, indem wir experimentieren; Und wir lernen, indem wir Dinge stur auswendig lernen um sie schnell wieder zu vergessen. Letzteres ist nur ein kleiner Prozentsatz unserer tatsächlichen Lernleistungen.

Zum anderen zeigt uns die Begegnung mit dem Hund ganz deutlich, was wir tatsächlich brauchen, um die Welt erfassen zu können: Wir brauchen unsere volle Aufmerksamkeit. Und diese Aufmerksamkeit ist davon abhängig, in welchen Kontext wir eine Wahrnehmung stellen, welche individuelle Bedeutung die jeweilige Situation für unser Leben hat. Je wichtiger eine Erfahrung für uns ist, desto leichter ermöglicht sie uns eine aufmerksame Hinwendung und damit die Grundlage für jeden Lernerfolg. Die Entscheidung unseres Gehirns, welche Erfahrung für uns bedeutsam ist und welche nicht, setzt alle weiteren Gehirnaktivitäten in Gang, die strukturell wichtig für die Verankerung eines Lerninhaltes in unserem Gedächtnis sind. Denn erst wenn das Gehirn entscheidet, dass eine bestimmte Erfahrung bedeutsam ist, kann mit einer Verknüpfung dieser Erfahrung mit dem bisherigen Wissen begonnen werden. Und nur dann kann dieses neue Wissen in das bisherige integriert, verarbeitet und später reproduziert werden. Denn das ist es eigentlich, was Lernen ausmacht: Die Entscheidung für die Bedeutsamkeit eines Inhaltes, die Verknüpfung dieses Inhaltes mit bisherigem Wissen und die dadurch erfolgende Integration des neuen Wissens in das Gedächtnis. Und erst wenn diese drei Schritte abgelaufen sind, kann Wissen sinnvoll reproduziert und damit auch sinnvoll wieder-verwendet werden.

Der Ablauf dieser drei Schritte ist grundlegend abhängig davon, wie intensiv und wie häufig wir uns mit den Lerninhalten auseinandersetzen. Erst durch mehrfache Wiederholung, intensive Beschäftigung und Verknüpfung bleiben Inhalte dauerhaft im Gedächtnis. Werden sie dann jedoch nicht mehr bemüht, verschwinden sie trotzdem aus der Erinnerung, bzw. sind schwerer wieder „hervorzukramen“.

Lernen ist also ein mehrphasiger Prozess, der
  • eine aktive Auseinandersetzung,
  • eine Zuweisung von Bedeutsamkeit für den individuellen Lebenskontext,
  • eine Verknüpfung mit bisherigen Wissensinhalten,
  • eine Integration in bestehendes Wissen und
  • eine regelmäßige Wiederholung und Vertiefung erfordert.
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